Das Projekt „Hand aufs Herz“ soll Prävention und Früherkennung stärken
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland seit mehreren Jahren die häufigste Todesursache. Davon sind nicht nur ältere Personen betroffen: Etwa zwei bis vier Menschen unter 40 Jahren sterben pro Tag in Deutschland am plötzlichen Herztod – die Hälfte sind unter 18 Jahre alt. Daher sind Prävention und Früherkennung bei Kindern und Jugendlichen besonders wichtig. Genau hier setzt das Projekt „Hand aufs Herz“ der Abteilung für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin des LMU Klinikums München an. Das Team um die Studienleiter Prof. Nikolaus Haas und Dr. Meike Schrader haben das Projekt „Hand aufs Herz“ am 24. Juli Staatsministerin Judith Gerlach und weiteren Vertretern der Gesundheits- und Lokalpolitik vorgestellt.
vlnr.: Schauspieler Max von Thun, Staatsministerin Judith Gerlach, Prof. Nikolaus Haas, Manfred May, Dr. Meike Schrader mit Schülern der Real- und Mittelschule in Maisach
Bayerns Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach würdigte das Engagement aller Beteiligten: „Prävention beginnt nicht erst im Erwachsenenalter, sondern bereits im Kindesalter. Ein Projekt, das die Herzgesundheit von Kindern und Jugendlichen weiter untersucht, ist für die Forschung von hoher Bedeutung. Es braucht Menschen und Initiativen wie diese, um auszuloten, wo Prävention und Vorsorge weiter gestärkt werden können.“
Veränderungen an Herz und Gefäßen zeigen sich teilweise bereits in jungen Jahren und führen oftmals zu bedeutsamen Folgeerkrankungen wie z. B. Arteriosklerose, die sich häufig vermeiden ließen. Zusätzlich existieren angeborene Erkrankungen, die häufig keine Beschwerden machen, aber zum plötzlichen Herztod führen können. Derartige Veränderungen als auch chronische Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems können nur durch frühe und individualisierte Untersuchungen aufgedeckt werden. Dafür setzt sich Herzspezialist Prof. Nikolaus Haas vom LMU Klinikum ein: Seit April 2024 führt sein Team der Abteilung für Kinderkardiologie bei Schülerinnen und Schülern der Real- und Mittelschule in Maisach im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts eine freiwillige kardiovaskuläre Vorsorgeuntersuchung durch. Die Nicolas-May-Stiftung unterstützt das Projekt finanziell; Schirmherr von „Hand aufs Herz“ ist der Schauspieler Max von Thun.
Modellprojekt Hand aufs Herz
LMU Klinikum
Prof. Nikolaus Haas mit Staatsministerin Judith Gerlach
Anhand eines speziell entwickelten Fragebogens, einer gründlichen Untersuchung sowie Blutdruckmessung, Elektrokardiogramm, Herzultraschall und definierten Belastungstest sowie weiteren Messparametern beurteilen die Mediziner die Herz-Kreislauf-Gesundheit der Kinder und Jugendlichen.
Alle Teilnehmenden erhalten danach einen ausführlichen Befundbericht, der die Befunde mittels eines Ampel-Systems visualisiert. Zudem enthält der Bericht Empfehlungen, wie die Jugendlichen aktiv und gezielt ihre eigene Herzgesundheit stärken können.
LMU Klinikum
Studienleiterin Dr. Meike Schrader (links im Bild); Demonstration eines Elektrokardiogramms bei einem Schüler.
In diesem Modellvorhaben sind in wenigen Monaten bereits circa 1.000 Schülerinnen und Schüler eingeschlossen; das Projekt soll in den kommenden Monaten auf weitere Schulen sowie kinderkardiologische Ambulanzen und Praxen ausgeweitet werden. „Wenn andere Schulen an diesem Projekt Interesse haben, freuen wir uns auf eine Kontaktaufnahme. Gerne erläutern wir die Details vor Ort und besuchen interessierte Schulen,“ sagt Dr. Meike Schrader von der Abteilung für Kinderkardiologie am LMU Klinikum.
Frühe und individualisierte Präventionsstrategie
LMU Klinikum
Prof. Nikolaus Haas hofft, dass die neu entwickelte ganzheitliche kardiovaskuläre Vorsorgeuntersuchung in den bundesweit verpflichtenden Vorsorge-Katalog aufgenommen wird.
Langfristig hofft Kardiologe Prof. Nikolaus Haas, dass die neu entwickelte ganzheitliche kardiovaskuläre Vorsorgeuntersuchung in den bundesweit verpflichtenden Vorsorge-Katalog aufgenommen wird: „So haben wir bessere Chancen, die hohe Mortalität sowohl für akute Probleme als auch für chronische Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems durch frühe und individualisierte Präventionsstrategien zu senken“, sagt Prof. Haas.
Dieses Projekt ist gerade deswegen von besonderer Bedeutung, da das Bundesgesundheitsministerium durch das sogenannte „Gesundes-Herz-Gesetz“ die Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten auch bei Kindern stark ausgebaut werden soll. Allerdings zeichnet sich hier bisher eine Tendenz zu hauptsächlich pharmakologischer Prävention ab. „Dieser doch sehr selektive Präventionsgedanke greift unserer Meinung nach und auch der Auffassung vieler anderer Kollegen jedoch viel zu kurz“, erklärt Dr. Schrader. „Deshalb haben wir in unserem Projekt „Hand aufs Herz“ einen multimodalen Ansatz gewählt, alle bekannten Diagnosetools zu einem umfassenden Bewertungsmodus zusammengefasst und nun bei etwa Tausend Kindern hinsichtlich Praktikabilität getestet. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, wir konnten einige Kinder mit einem hohen Risiko frühzeitig herausfischen, die nun weiter betreut werden. Nun gilt es, dieses Konzept weiter auszubauen und zu evaluieren.“
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